Wer in der Fastenzeit neue Impulse und einen Gedankenaustausch über seinen Glauben im Gespräch suchte, der hatte dazu in einer Vortragsreihe in der Kath. Pfarrgemeinde "Maria von der Immerwährenden Hilfe", Nidderau-Windecken die Möglichkeit dazu. An vier Abenden, im März und April, waren im Rahmen des Pastoralverbundes "St. Bonifatius Bruchköbel-Niddertal" unterschiedliche Referenten dort zu Gast.
Herr Michael Papenkordt vom Institut für Weltevangelisation war der erste Vortragende. Er sprach sehr persönlich von seiner Lebensgeschichte und seinen eigenen religiösen Erlebnissen, die ihn prägten. Die wesentlichen Träger seiner ganz persönlichen Glaubensbotschaften an seine Mitmenschen seien die drei christlichen Säulen des Glaubens, nämlich Glaube, Liebe und Hoffnung. Die Kernaussage in seinem Vortrag war: "Du kannst zu jeder Zeit und in jedem Alter alle deine persönlichen Türen für Jesus weit aufmachen...nur so kann er auch zu Dir gelangen."
Matthias Matussek, Redakteur bei "Die Welt" folgte als Nächster. Er las aus seinem Buch "Vom Abenteuer katholisch zu sein" vor. In sehr wortgewandter Art und Weise stellte er das "Moderne" in der katholischen Kirche in Frage.
"Warum Glauben, Warum Kirche", war der Titel des Vortrages von Pater Max Rademacher OFM aus Fulda.
"Mein christliches Leben bekommt einen roten Faden", sagte Pater Max. Er baute seinen Vortrag auf drei Gedanken auf, entsprechend den drei göttlichen Tugenden: Glaube - Hoffnung - Liebe.
Für den Glauben als Frohe Botschaft hob er vor allem das Dialogische hervor: "Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, da werden sie sich froh miteinander austauschen und feiern, da bin ich mitten unter ihnen." Den Glauben mitteilen, darauf käme es an.
Bei dem Begriff "Hoffnung" gab Pater Max uns eine Vision auf den Weg. Er sagte, die Hoffnung sei wie ein Vorgriff auf das Glück, das wir mit Christus teilen werden. Ein Stück von diesem Glück zeige sich bei ihm eben jetzt hier schon auf Erden, wie die Vorfreude der Kinder in der Vorweihnachtszeit. Wir sollen die Hoffnung leben als Vorgriff in der Welt.
Liebe, als letzte der drei Tugenden, bezeichnete er als die Hingabe schlechthin. "Ich weiß eben, dass ich nicht zu kurz kommen werde, wenn ich all meine Liebe gebe. Der Horizont ist weiter als wir schauen können."
Über ihre "Freude am katholisch Sein", sprach die Äbtissin Elisabeth Kralemann OSB aus dem Kloster Engelthal in Altenstadt.
Ziel im Glaubensleben müsse die Gemeinschaft und Begegnung mit Gott sein. Dieser fuße für sie auf drei Säulen: 1. im Glauben wachsen, 2. den Glauben teilen und 3. den Glauben feiern.
Im Glauben wachsen verglich sie mit einem kleinen Samenkorn, das zu einem großen Baum heranwächst. Glauben heiße nicht nur "nicht wissen" und auch nicht ein "für wahr halten", sondern Glauben geschehe im Vertrauen auf etwas und auf jemanden. Wachsen im Glauben könne man u.a. in der Stille, im Gebet, durch Lesen in der Bibel oder in der Natur. Dies müsse gelernt und eingeübt werden. Für sie waren Kontakte zu Gebetskreisen der Kirche und Ordensschwestern prägend. Sie zitierte Roger Schütz mit den Worten: "Auch wenn du nur wenig von den Evangelien verstanden hast... aber lebe es!"
Den Glauben teilen: Der Glauben ist keine Privatsache. Glauben gehört immer in eine Gemeinschaft, in der man sich austauscht. Glauben ist ein Paradoxon: Was wir teilen wird nicht weniger, sondern es vermehrt sich.
Der Glaube drängt nach draußen, da kann man nicht schweigen. Den Glauben feiern: Glaube ist nicht nur Sache des Verstandes, sondern ganzheitlich zu sehen. Der Glaube muss gefeiert werden, genauso wie private Feste.
"Gott macht immer den ersten Schritt und wir sind die Beschenkten, der Gottesdienst ist immer erst Gottes' Dienst an uns Menschen."
